Uber den Künstler
Wilhelm Kaufmann (25. Mai 1895 – 14. Februar 1975) war ein österreichischer Maler, dessen Leben und Werk eng mit den kulturellen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts in Europa verwoben waren. Schon früh ein begabter Künstler, wurde er mit nur sechzehn Jahren als jüngster Student aller Zeiten an der Akademie der bildenden Künste in Wien aufgenommen, wo er bei dem einflussreichen Maler Rudolf Bacher studierte.
Sein vielversprechendes künstlerisches Talent wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Kaufmann diente drei Jahre an der russisch-albanischen Front und wurde für seine Tapferkeit mit dem österreichisch-ungarischen Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück, fest entschlossen, als freischaffender Künstler zu arbeiten, und tauchte in die pulsierenden Avantgarde-Kreise der Stadt ein. Er stellte mit der progressiven Wiener Secession aus und schloss sich dem modernistischen Künstlerkollektiv Sonderbund Österreichischer Künstler an. 1927 wurde er Mitglied des Hagenbundes, einer weiteren führenden Vereinigung zukunftsorientierter Künstler.
Die Annexion Österreichs durch Nazideutschland 1938 setzte dem blühenden Kulturleben ein jähes Ende. Sowohl die Secession als auch der Hagenbund wurden aufgelöst, und Kaufmann wurde unter dem Regime mit einem Berufsverbot belegt. Gezwungen, die Malerei aufzugeben, arbeitete er bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als ungelernter Arbeiter in einer Getriebefabrik.
Nach Kriegsende spielte Kaufmann eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der Wiener Kunstszene. Von 1945 bis 1956 leitete er die Malereisektion des Berufsverbands Bildender Künstler und nahm 1946 an der antifaschistischen Ausstellung „Nie vergessen!“ teil. Im selben Jahr trat er der Wiener Secession wieder bei. 1948 wurde sein Werk im Malwettbewerb der Olympischen Sommerspiele gezeigt – eine seltene Verbindung von Kunst und Sport. Er erhielt außerdem einen städtischen Auftrag, die Olympiasiegerin im Speerwurf, Herma Bauma, zu porträtieren. 1949 wurde er zum Professor ernannt und 1950 trat er dem Verband Bildender Künstler Wien bei.
Kaufmanns Auseinandersetzung mit dem Sport war nicht nur thematischer Natur. Bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki erhielt er ein Ehrendiplom für Malerei und Grafik und präsentierte Werke wie „Skifahrer“, „Eishockey“ und „Fußballszene“ in Tusche sowie ein Ölgemälde mit dem Titel „Fußball“. Diese dynamischen Kompositionen spiegelten seine Faszination für Bewegung wider – eine Begeisterung, die sich auch in seiner persönlichen Leidenschaft für Eisschnelllauf und Tischtennis zeigte.
Stilistisch bevorzugte Kaufmann die Arbeit im Freien und nutzte Gouache, Aquarell und Tusche, um sowohl urbane als auch ländliche Landschaften einzufangen. Er schuf lebendige Eindrücke österreichischer Städte wie Salzburg, Wien und Graz, doch in seinen Darstellungen von Sport und Alltag traten sein Sinn für Rhythmus und Vitalität am deutlichsten zutage. Seine Nachkriegswerke, erfüllt von Bewegung und menschlicher Energie, zeugen von Widerstandsfähigkeit und Erneuerung in einem zerrissenen Jahrhundert.
Wilhelm Kaufmann starb 1975 und hinterließ ein Werk, das Tradition und Moderne, Leid und Hoffnung verbindet.
















































